Grundzüge der Wirtschaftspolitik

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Warum scheiterte die DDR?

 

Harald Henke

Dominic Wolfram

Robin Heintz

Galera Drego

Jessica Haff

 

 

Eine wirtschaftliche Analyse

 

  1. Das Wirtschaftssystem der DDR

 

 

Die Wirtschaft der DDR war ein typisches Beispiel für eine Zentralverwaltungswirtschaft. Grundprinzip war dabei die zentrale Planung und Lenkung von Produktion und Verteilung der Güter. Produktionsmittel und Bankwesen waren in Staatshand.

Entscheidend für die Lenkung der Wirtschaft waren die Wirtschaftspläne. Sie wurden von der staatlichen Planungsbehörde als Steuerinstrument erstellt. Dabei gab es sowohl Produktionspläne für die Betriebe als auch Bedarfspläne für die Bevölkerung. Letztere stellte den Betrieben Arbeitskräfte zur Verfügung und mußte sich den staatlichen Konsumplänen unterordnen. Die Betriebe erhielten ihrerseits Produktionsauflagen (z.B. in bezug auf Güterarten, Preise oder auch Mengen). Oberstes Ziel war die Erfüllung der in den Plänen festgelegten Normen. Der Erfolg der Planerfüllung wurde in regelmäßigen Abständen überprüft.

 

  1. Problemanalyse
  1. System-Probleme

 

Beispiel: Bis der Jahresplan für einen Betrieb vollendet ist, durchlief er (teilweise mehrmals) Parla- ment, Ministerrat, Plankomitee, Funktionalministerium, Industrieministerium, VVBs und VEBs.

Im Jahre 1977 beliefen sich die Staatsausgaben für den Staatsapparat und die Wirtschaftsverwaltung auf 3,6 Milliarden DDR-Mark, mehr als 3 % des Staatshaushaltes.

Die DDR-Wirtschaft war nicht in der Lage, auf Weltmarktveränderungen zu reagieren, da das starre Planungssystem lähmend wirkte.

Die DDR hatte eine Vielzahl verschiedener Ordnungs- und Kampfverbände, so u.a. das Ministerium für Staatssicherheit (MfS), Volkspolizei (VoPo), Bereitschaftspolizei, Grenztruppen, Nationale Volksarmee (NVA), Kampfgruppen. Jedes Jahr wurden viele Milliarden Mark für die Ausrüstung und Unterhaltung dieser Einheiten ausgegeben. So machten die Ausgaben 1977 ca. 10 % des ge- samten Staatshaushaltes aus (11 Milliarden DDR-Mark).

Jahrzehntelang lebte die DDR-Wirtschaft von ihrer Substanz. Die Staatsausgaben waren höher als die Einnahmen aus den wenigen produktiven Bereichen. Vor allem in den achtziger Jahren wurde das staatliche Überleben erst durch westliche Kredite sichergestellt.

 

 

  1. Probleme im täglichen Wirtschaftsablauf

 

Die Planungen im materiellen, güterwirtschaftlichen und finanziellen Bereich gingen nicht Hand in Hand, wie es für eine funktionierende Planwirtschaft unerläßlich ist. Es war nicht unüblich, daß die Produktion eines Betriebes unterbrochen werden mußte, weil bestimmte Lieferungen oder finanzielle Mittel fehlten, die von anderen Betrieben bereitgestellt werden sollten.

Betriebe waren zumeist an niedrigen Planauflagen interessiert, was mit einer geringeren zu bewältigenden Arbeitsmenge gleichzusetzen ist, auch wenn ein höheres Ausmaß der Produktion möglich und volkswirtschaftlich sinnvoll gewesen wäre.

Staatlich gelenkte Investitionen flossen häufig in wenig sinnvolle Bereiche ab, an anderer Stelle, an der sie gebraucht wurden, fehlten sie dafür. Beispiel: Der Uranbergbau im Erzgebirge.

Die lange Tradition von Bauernstand, Handwerk und Industrie war vor allem durch die Enteignungen der Anfangsjahre ausgeschaltet worden. So fehlten Leistungsprinzip und -interesse innerhalb der Betriebe.

In der DDR gab es zahlreiche Auszeichnungen für besondere betriebliche u.ä. Leistungen. So kannte man ein Vielzahl von Orden und Ehrentiteln wie "Held der Arbeit" oder "Aktivist der sozialistischen Arbeit". Ihre Wirksamkeit ist jedoch höchst fragwürdig.

Der Beschäftigungsgrad der DDR-Wirtschaft war künstlich hochgehalten. Viele Stellen waren quasi doppelt besetzt, so daß man von einer hohen latenten Arbeitslosigkeit ausgehen konnte.

 

  1. Probleme der Bevölkerung in und mit dem System

 

Lebensstandard und Gesundheit der Bevölkerung litten unter der Produktionsweise, die auf Kosten der Umwelt betrieben wurde. Beispiel: Die Chemieanlagen von Bitterfeld.

Die Versorgung der Bevölkerung stagnierte, Mangel herrschte vor allem an vielen Konsumgütern.

Die Konzentration wirtschaftlicher und staatlicher Macht führte dazu, daß bestimmte Stellen und Ämter zu Schlüsselpositionen im Wirtschaftsablauf wurden. Die Voraussetzungen für Korruption und Mißwirtschaft waren damit gegeben; beides war verbreitet.

Die zunehmenden Probleme zusammen mit den Geschichten über den "Goldenen Westen" führten zu einer dramatischen Zunahme der Flüchtlingszahlen vor dem Mauerbau. Auch danach gab es noch Fluchtversuche. Die Flüchtlinge waren zumeist junge Leute, in die der Staat für Ausbildung u.ä. investiert hatte. Diese gingen dem Wirtschaftssystem verloren.

Selbständiges Denken und Handeln war im Betrieb nicht gefragt. Auch im täglichen Leben über nahm der Staat viele Aufgaben, so daß Eigeninitiative völlig unterging. Damit einhergehend ist der Mangel an Motivation der bei vielen Arbeitenden zu beobachten war. Man hatte sich in einem Zustand der Lethargie eingerichtet.

Schlechte Arbeitsbedingungen und unzureichende Sicherheitsbestimmungen beim Umgang mit gefährlichen Stoffen sorgten für gesundheitliche Risiken und Unfallgefahren in manchen Arbeitsbereichen. Beispiele: Atom-, Chemieindustrie, Uranbergbau.

 

  1. Zusammenfassung

Das Scheitern der DDR hatte viele Gründe, und selbstverständlich waren diese nicht rein wirtschaftlicher Natur. Auch politische und soziale Ursachen spielten eine Rolle. Die staatlich gelenkte Wirtschaft war aber ein wichtiger Eckpfeiler des gesamten Systems, so daß deren Scheitern auch den Fortbestand der staatspolitischen Konzeption nachhaltig beeinflussen mußte.

Eine Volkswirtschaft solcher Größe vollständig und wirksam zu planen erscheint nahezu unmöglich. Einen Produktionsplan aufzustellen, in dem die Produktion hunderter Betriebe mit ihren zahllosen Verflechtungen festgelegt ist, kann nicht funktionieren. Sobald die Kette an einer Stelle unterbrochen ist, ist das ganze System lahmgelegt. Auch ist es nicht möglich, die Produktion auf die Präferenzen der Bevölkerung abzustellen. Das wurde mit der Forderung der völligen Unterordnung des Individuums unter das System überspielt, eine ideologische Schulung der Bevölkerung sollte die Menschen den Erfordernissen des Systems anpassen. Dies hatte keinen Erfolg, es weckte nur Unwillen und Widerstand gegen das System, was nur durch drastische Maßnahmen (Sicherheitsapparat, Mauerbau) nicht zu einem vorzeitigen Zusammenbruch der DDR führte.

Mit der Zeit aber, als die Probleme nicht mehr zu kontrollieren waren und auch der "Große Bruder" in Moskau Schwächen zeigte, begann der offene Widerstand der Menschen, der dann schnell und unblutig zum Ende der DDR führte.

 

Quellenverzeichnis: