D.Müller
M.Batay
V.Matusea
B.Linke
Y.Uematsu
Überblick:
Ludwig Erhard warb nach dem 2. Weltkrieg für die soziale Marktwirtschaft und eine ordo-liberale Verfassung von Wirtschaft und Gesellschaft, in der der Mensch nicht zum sozialen Untertan werden sollte. Er hat wie kein anderer den Begriff der sozialen Marktwirtschaft geprägt.
Lebenslauf:
1897 Am 4. Februar wird Ludwig Wilhelm Erhard in Fürth geboren
Kaufmannslehre
Studium an der Handelshochschule Nürnberg und der Universität
Frankfurt
1923 Heirat
1925 Promotion
Geschäftsführer im elterlichen Betrieb
1928 Position im Institut für Wirtschaftsbeobachtung der deutschen
Fertigware
1942 Gründung des Instituts für Industrieforschung
1945 Staatsminister für Wirtschaft in Bayern
1947 Leiter der Expertenkommission der "Sonderstelle Geld und Kredit"
der Zweizonenverwaltung
1948 Direktor der Verwaltung für Wirtschaft in der Bizone (vereinigtes
Wirtschaftsgebiet)
- Juni: Währungsreform; Ende der Preisbindung
1949 "Düsseldorfer Leitsätze"
Kandidatur für die CDU; Adenauer wird Bundeskanzler
1952 Mitglied des Ministerrates
1961 Vizekanzler einer Unions-/FDP-Koalition
1963 Rücktritt Adenauers
- Oktober: Wahl zum Bundeskanzler
1965 erneute Wahl zum Bundeskanzler
1967 Ehrenvorsitzender der CDU
1977 12. Mai: Tod Erhards
- Im Juni 1948 ebnete Ludwig Erhard mit der von ihm geforderten Währungsreform und der Abschaffung der Preisbindung den Weg zur sozialen Marktwirtschaft.
- Er verstand unter der sozialen Marktwirtschaft das Zusammenwirken von der Freiheit auf dem Markt und einem sozialen Ausgleich. Vor allem die Aufhebung der Preisbindung beflügelte die Popularität Erhards.
- Mit diesem so ermöglichten Wiederaufbau Deutschlands wurde das sog. Wirtschaftswunder eingeleitet. Dadurch wurde nicht nur eine Stabilisierung der deutschen Wirtschaft, sondern auch der Demokratie, erreicht.
- Die ordnungspolitische Orientierung ist untrennbar mit der Person Ludwig Erhards verbunden. Mit seinen Bemühungen erreichte er im westlichen Bündnissystem den "Wohlstand für alle".
- Der "Wohlstand für alle" war im Rahmen der sozialen Marktwirtschaft allerdings nicht gleichzusetzen mit unbegrenzten sozialen Leistungen. So zog er zum Beispiel Grenzen für steuerfinanzielle Umverteilung und für Sozialversicherungen wie auch bei der Einflussnahme der Staatstätigkeit, die über eine gute Ordnungspolitik hinausgeht.
- Das Fundament für soziale Gerechtigkeit wurde nach Ludwig Erhard durch Wettbewerb zusammen mit Geldwertstabilität und einer funktionierenden Rechtsordnung errichtet, da seiner Meinung nach nur eine auf Dauer leistungsfähige Wirtschaft auch sozial sein kann.
- Demnach wäre das heutige Verständnis von der sozialen Marktwirtschaft nicht im Sinne Ludwig Erhards gewesen, denn er vertrat die Meinung, daß soziale Marktwirtschaft nicht mit einem Versorgungsstaat verwechselt werden darf. Die beste Sozialpolitik sei - nach Erhard - die gute Wirtschaftspolitik.
- Mit seiner Konzeption beeinflußte er nicht nur die Wirtschaft positiv, sondern auch die Außenpolitik, indem er seine Ordnungspolitik auch zum Aufbau diplomatischer Beziehungen zu demokratischen Ländern im Nahen Osten, wie Israel, und vor allem den USA angewandt hat. Aus diesen außenpolitischen Perspektiven erkennt man, daß Erhard seiner Zeit eigentlich schon voraus war.
- Tatsächlich hatte er schon während des Krieges Visionen darüber, wie die Wirtschaftsordnung nach dem Krieg aussehen sollte, wobei er von einer Niederlage der Nazis ausging.
- Erhard vertrat die Idee einer sozialen Marktwirtschaft als offene, sich entwickelnde Gesellschaftsform und war überzeugt, daß der Mensch in Freiheit und Selbstverantwortung leben und im Wettbewerb für sich selbst sorgen soll. Diese Einstellung weist liberale Züge vor.
- Sein gesellschaftliches Leitbild war die "formierte Gesellschaft":
- keine Klassen und Gruppen mit einander ausschließenden Zielen
- kein autoritärer Zwang
- keine stände - staatlichen Vorstellungen
- Kooperation
- Soziale Marktwirtschaft ist ein Ordnungsprinzip, dessen Durchsetzung und Aufrechterhaltung permanentes wirtschaftspolitisches Handeln erfordert und bei dem der Staat nur in Eigenverantwortung die Rahmenbedingungen setzen darf, damit die Wirtschaft im Wettbewerb Wachstum und Arbeitsplätze schaffen kann.
- Erhards Erfolg basierte auf der Umsetzung der Erkenntnis, daß kostensenkender Wettbewerb und Verbesserung der Kaufkraft nur gemeinsam das Wachstum beleben und aufrechterhalten können.
- Ludwig Erhard gewann zunehmend Verbündete, schaffte sich mit seiner ordnungspolitischen Philosophie allerdings auch Feinde, die es für puren Leichtsinn hielten, die staatliche Ordnung einfach der Unordnung des Marktes zu überlassen.
- Nicht zu bestreiten war aber die Tatsache, daß die CDU/CSU bei der Bundestagswahl die absolute Mehrheit der Stimmen aufgrund Erhards Wirtschaftspolitik erlangte.
- Trotzdem wurden von Jahr zu Jahr die Widerstände von Seiten der deutschen Industrie gegen Erhards marktliberale Politik größer, da nach seiner ordnungspolitischen Ansicht "wirtschaftliche Machtgruppen aufzulösen oder ihre Funktion zu begrenzen" sei (Walter Eucken).
- Das Kartellgesetz war für Erhard das Grundgesetz der sozialen Marktwirtschaft, es wurde aber zu seinem Bedauern 10 Jahre lang im Bundestag "durchlöchert" und erst 1957 verabschiedet.
- Seit Ludwig Erhard hat der Begriff der sozialen Marktwirtschaft viele Wandlungen durchlebt, da er von den verschiedenen politischen Richtungen auch verschieden ausgelegt wurde. Diese Wandlungen liessen letztendlich nicht mehr viel von Erhards Interpretation der sozialen Marktwirtschaft übrig.
- Die vier wichtigsten Elemente seines Konzepts sind:
- Wettbewerbsprinzip
- Gewährleistung eines ausreichenden Wachstums zur Aufrechterhaltung des Wohlstandes
- soziale Marktwirtschaft = Versorgungsstaat
- vereinigtes Europa
- Doch was bleibt noch von Erhards Konzept der sozialen Marktwirtschaft für das 21. Jahrhundert ?
Während Erhard versuchte, mit der Gründung der EWG einen Schritt in die Richtung der Internationalisierung oder Globalisierung zu machen, um das System der sozialen Marktwirtschaft konsequent aufrechtzuerhalten, versuchen heute die betreffenden Länder die Grenzen eng zu ziehen, um auf Subventionen der EU nicht verzichten zu müssen.
Kurze Übersicht über Ludwig Erhards Einsatz in der deutschen Wirtschaftspolitik:
1948 Währungsreform (20. Juni )
1949 "Düsseldorfer Leitsätze
1949 erster Entwurf eines Kartellgesetzes
1954 neuer Kartellgesetzentwurf
1956 Zollsenkung zur Stabilisierung der Konjunktur
1957 Erhards Buch "Wohlstand für alle"
1958 Kartellgesetz tritt in Kraft
1960 Einsatz für eine Aufwertung der D - Mark zur Preisstabilisierung
1965 Konzept einer "formierten Gesellschaft"
1966 Stabilitätsgesetz