Grundzüge der Wirtschaftspolitik

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Die Geschichte der Zentralbanken

 

Simone Köhler

Oliver Mathis

Mark Kieferle

Michael Koschatzki

Wolfram Schubert

 

Die Geschichte des zentralen Bankwesens

Die Entstehung der Zentralbankensysteme verlief ähnlich der Entwicklung der Demokratie in den westlichen Industrienationen, wenngleich langsamer. Ähnlich den Regierungssystemen unterscheiden sich auch die Strukturen und Funktionen der Zentralbanken stark - von der vollkommenen Unabhängigkeit von staatlicher Kontrolle (z.B. Deutsche Bundesbank) zur vollkommenen Abhängigkeit (z.B. Bank of England).

Die Unterschiede zwischen den Banken hängen mit der wirtschaftlichen Entwicklung der entsprechenden Länder ebenso zusammen, wie mit anderen kulturellen Charakteristika. Jeder Staat hat sich gemäß eigener Interessen sein Bankensystem geschaffen - einige Modelle stellten sich jedoch als überlegen heraus.

 

Mit Fokus auf die Deutsche Bundesbank, das amerikanische Federal Reserve System und die Bank of England sowie im Anschluß einem kurzen Ausblick auf die zukünftige Europäische Zentralbank werden im folgenden 3 bzw. 4 verschiedene (und sehr einflußreiche) Banken der Welt betrachtet. Der Aufstieg dieser Banken zu den drei wichtigsten der Welt folgte der wirtschaftlichen Entwicklung jener Länder.

 

Während es schwierig ist, allgemeingültig zu entscheiden, welches Bankensystem nun letztlich das beste und damit gegenüber den anderen vorzuziehen ist, gibt es in jedem System bestimmte Besonderheiten, die es wert sind, untersucht zu werden.

Sind Geschichte, Traditionen und Aufgaben der verschiedenen Banken ersteinmal bekannt, ist es leichter, die Handlungen und Beweggründe dieser Institutionen nachzuvollziehen.

 

Die erste Zentralbank

Als sich das merkantilistische Wirtschaftssystem des 16. / 17. Jahrhunderts entwickelte, entstand überall in Europa die Notwendigkeit, Geld bzw. Gold sicher zu lagern. Der Transport erheblicher Mengen wertvoller Edelmetalle zwischen den Ländern wurde sinnlos, sobald es die Möglichkeit gab, das Eigentum an Geld und Gold einfach zu übertragen, während dieses am selben Ort bleibt.

Verteilt über den ganzen europäischen Kontinent existierten bereits kleine Bankhäuser, die Ihre eigenen Münzen prägten. Aber um den Handel zu fördern, interessierten sich die Regierungen zunehmend für die Einführung einheitlicher Staatswährungen.

 

Der erste erfolgreiche Vorfahre einer Zentralbank nach heutigem Verständnis wurde in Schweden errichtet. Die Stockholms Banco wurde von der schwedischen Regierung 1656 als private Einrichtung zugelassen, die jedoch auch staatlich gelenkt wurde. Die Regierung plazierte den größten Teil ihres Vermögens in der Bank, die auch Einlagen einzelner Bürger akzeptierte, forderte dabei jedoch, daß entstehende Gewinne mit dem Staat und der Stadt Stockholm geteilt werden sollten.

 

Die Bank von Stockholm war aber nicht der erste Versuch einer von der Regierung gestützten Bank. Vielmehr war sie letztlich ein Abbild der Bank von Amsterdam, die 1609 gegründet worden war. Diese Bank war damit beauftragt, die Regierungskonten und Ersparnisse der Händler von Amsterdam zu verwalten.

Dieses System funktionierte mehr als 100 Jahre. Bis 1819 die Kriegsschulden der Regierung und die Zahlungsunfähigkeit der niederländischen East India Company zum Scheitern der Bank führte.

 

In Schweden wiederum begann der industrieller Bankier, Johan Palmstruch, als Reaktion auf die zunehmende Nachfrage nach Geld, Schuldscheine auszugeben, die durch die Einlagen der Bank gedeckt waren. Diese Schuldscheine waren zinslos und lediglich zum Handel bestimmt - vergleichbar mit unseren heutigen Banknoten. Es war das erste Mal, daß derartige Scheine verwendet wurden und innerhalb von 2 Jahren stellte es sich heraus, daß die Bank nicht in der Lage war, das Angebot gesicherter Banknoten aufrechtzuerhalten. 1663 wurde die Bank wegen Nachlässigkeit und Unachtsamkeit von der Regierung geschlossen.

 

1668 entstand erneut Bedarf an einer Zentralbank und das Parlament gründete die Bank der "Estates of the Realm". Diese Institution wurde von der Regierung kontrolliert, was ihren Nutzen für die politische Führung erhöhte: Es wurden Schuldscheine mit festem Nennwert auszugeben. Die Regierung druckte zusätzliche Noten, sobald Kapital benötigt wurde. Dadurch mußten keine Kredite aufgenommen werden.

 

Während der nächsten 100 Jahre gab es mehrere Fälle von Inflation, obwohl verschiedene Gesetze verabschiedet worden waren, die die Kontrolle über das Geldangebot verschärfen sollten. Die Fehler, die in Schweden gemacht wurden, wiederholten sich auch in anderen Ländern, wenn diese versuchten, ihre eigenen Bankensysteme zu errichten. Die heutigen Strukturen sind erst nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden und sie entwickeln sich immer noch weiter.

 

 

Die Bank of England (BoE)

Zitiert nach John Kenneth Galbraith ist die Bank of England "in jeglicher Beziehung das für Geld, was St. Peter für den Glauben ist".

Gleich dem Britischen System der parlamentarischen Regierung, entstand die Organisation der BoE nicht durch ein einzelnes Gesetz sondern aus einer ganzen Reihe von Gesetzen.

Sie wurde 1694 von dem Schotten William Patterson gegründet und war die erste Bank in England in Form einer Aktiengesellschaft. Patterson hatte zugesagt, der Regierung Geld zu leihen - sollte er die Konzession erhalten.

Die Bank hatte das Monopol auf den Handel mit Aktien und Anteilscheinen und verwaltete das gesamte Guthaben der Regierung. Besonders wichtig ist die Tatsache, daß die Bank begann, Schuldscheine auszugeben. Sie war befugt, Noten auszugeben, die in Ihrer Höhe dem Betrag entsprachen, den sie der Regierung geliehen hatte und dazu verpflichtet, die Scheine in Gold umzutauschen, sobald ein Gläubiger dies forderte (eine Ausnahme dieser Regelung gab es während der napoleonischen Kriege, als die Umtauschansprüche über 20 Jahre ausgesetzt wurden).

 

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts, ausgelöst durch mehrere Inflationen, gab es in England wie in Schweden eine große Zahl von Bankenpleiten. Das Parlament verabschiedete Mitte des Jahrhunderts daraufhin 2 Gesetze, die es dazu bemächtigen sollten, mehr Kontrolle auszuüben - über das gesamte Bankensystem insbesondere jedoch über die BoE.

Der "Country Bankers Act" von 1826 brach das Monopol der BoE als Handelsbank für Wertpapiere zunächst außerhalb eines 65-Meilen-Radius um London. Nach 1833 endete das Monopol vollständig. Dies veranlaßte die Bank, im zunächst nicht beschränkten Gebiet Niederlassungen zu eröffnen, um ihren Einfluß damit auszuweiten.

Der Bank Charter Act von 1844 zwang die Bank, ihre Geldscheine durch Gold zu stützen. Er forderte zweiwöchige Berichte über die Aktivitäten der Bank und das Geldangebot (diese Berichte werden immer noch wöchentlich von der "Bank Return" veröffentlicht). Außerdem schränkte er die Möglichkeit neuer Banken ein, Geldnoten herauszugeben und ließ die Vollmacht konkursgegangener Privatbanken auf die BoE übergehen. Selbst mit diesem Gesetz dauerte es noch bis ins Jahr 1921 bis die BoE vollständige Kontrolle über das Geldangebot in England und Wales erhielt.

 

Über weite Teile des 19. Jahrhunderts wollte die Bank ihre Aufgaben als Zentralbank nicht als solche anerkennen. Erst als Walter Bagehot, der Herausgeber des "Economist" in seinem Buch "Lombard Street" bewies, daß die Bank eigentlich wie eine Zentralbank agierte, wurde ihre Funktion auch als solche akzeptiert.

In seinem Buch schlug Bagehot sehr hilfreiche Verfahren vor, die im Falle einer Krise angewendet werden könnten. Er war ein Befürworter der Bank als "Währungshüterin in Krisenzeiten" und hoffte, daß dies das Vertrauen der Bevölkerung in das Bankensystem erhöhen würde.

 

Im Laufe dieses Jahrhunderts begann die Bank weitere Aktivitäten im Bereich effektiverer Geldpolitik zu entwickeln: Abhängig von den wirtschaftlichen Lage wurde der Diskontsatz erhöht oder gesenkt. Außerdem verkaufte sie Staatsanleihen an der Londoner Börse.

Schließlich wurde die BoE aufgrund der Vorrangstellung Großbritanniens zur Bank der Banken weltweit.

 

Begünstigt durch Gesetze, die die Gründung neuer Wertpapierhandelsbanken erlaubten, nutzten andere britische Banken die "old lady", um ihre Konten auszugleichen und Reserven einzulagern. Auch Banken anderer Länder zogen ihren Nutzen aus der Stärke der Bank und deponierten ihre Reserven ebenfalls dort.

Bis zum ersten Weltkrieg wurde die BoE über das Vereinigte Königreich hinaus zur Bank für die ganze Welt.

 

 

Die amerikanische Notenbank

Ebenso wie die amerikanische Verfassung ist das Federal Reserve System (bekannt unter dem Kürzel "Fed") durch eine einzige Handlung des Kongresses geschaffen worden. Die National Monetary Comission, eine vom Kongreß beauftragte Gruppe von Bankiers und Politikern, hatte mit größter Sorgfalt ein bundesweites, zentrales und föderalistisches System des Zahlungsverkehrs geschaffen. Die Bundesnotenbank wurde durch das Bundesbankgesetz von 1913 begründet, welches von Präsident Wilson unterzeichnet wurde.

Schon vor Gründung der Fed hatten die Amerikaner schon einige Erfahrungen mit Hyper-Inflationen gemacht. Bereits nach Gründung der Republik gab es Versuche, eine nationale Bank zu etablieren (die erste und die zweite Bank der Vereinigten Staaten). Die Konzession der zweiten nationalen Bank wurde durch Präsident Jackson allerdings nicht verlängert, da er die Meinung vertrat (wie viele Amerikaner übrigens auch), daß Bänker Gauner seien.

 

Amerika nutzte bis ins 20. Jahrhundert ein ineffizientes und konfuses System von staatlichen Banken, welche keine vorbeugenden Sicherheitsreserven eingestellt hatten. Außerdem fehlte eine die Banken kontrollierende Institution. Das US-Vermögen wurde auf Konten bei verschiedenen staatlichen Banken verteilt und ein System von Schuldverschreibungen wurde eingeführt. Dies geschah kurz nach dem Ende des Bürgerkrieges. Der Versuch, die Banken zu lenken, wurde immer schwieriger, weil die Regierung bis dahin keinen Einfluß auf die staatlichen Banken ausgeübt hatte.


Nach dem Ende der Wirtschaftskrise von 1907, der achten und mit Abstand schlimmsten Finanzkrise in 100 Jahren, wurde privaten Bankiers und der Regierung bewußt, daß die von ihnen eingerichtete Abrechnungsstelle der Banken nicht funktionierte. Sie gründeten 12 Bundeszentralbanken, die jeweils für eine genau bestimmte Region verantwortlich waren. Jeder einzelnen wurde fast vollständige Autonomie gewährt. Eine Dachorganisation, das Board of Governors (BoG), wurde in Washington D.C. eingerichtet, um die Handlungen der Bundesbanken zu koordinieren und die Verpflichtungen gegenüber dem Kongreß zu erfüllen.

 

Genau wie in der Verfassung der Vereinigten Staaten wurden einige neue Ideen in Gesetze gefaßt, die nie zuvor erprobt worden waren. Die Fed wurde in absoluter Unabhängigkeit von politischen Einflüssen seitens der Exekutive geschaffen. Sie war verpflichtet, dem Kongreß regelmäßige Berichte über den Zustand der Wirtschaft und die zu erwartenden kurz- und langfristigen wirtschaftspolitischen Maßnahmen zu erstatten.

 

Am bestem beschreibt man den Grad der Unabhängigkeit der Fed mit ihrer "Unabhängigkeit innerhalb der Regierung". Alle privaten Banken einer Region sind Miteigentümer der jeweiligen Bundesbank. Man betrachtet sie als eine "quasi-staatliche" Organisation, da sie eine eigene unabhängige Verwaltung haben. Die Bundesbanken dürfen nur andere Banken und den Staat, nicht aber Privatkunden bedienen. Dieser Umstand ist ein klares Abgrenzungskriterium des Einflußbereiches der Banken im U.S. System und schützt die Interessen der privaten Banken (sie waren besorgt über einen evtl. Konkurrenzkampf mit den staatlichen Banken). Anfangs blieben die 12 regionalen Banken bis auf kleinere Einwände vom BoG ziemlich unbehelligt. Ihnen wurde gestattet, ihre eigenen Diskontsätze innerhalb eines moderaten Rahmens festzulegen. Größere Abweichungen gegenüber der BoG Rate mußten vom BoG gebilligt werden.

 

In den ersten sieben Jahren wurde das Prinzip der Unabhängigkeit gegenüber der Exekutive nicht erfüllt. Bis 1920 war ein Staatssekretär oder ein anderer hoher Beamte des Finanzministeriums Mitglied des Verwaltungsrates. Eine Untersuchung des Kongresse hatte ergeben, daß das Finanzministerium den Aufsichtsrat beeinflußt hatte, den Diskontsatz stabil zu halten, damit die Regierung sich zusätzliches Geld als "Siegerprämie des 1. Weltkrieges" leihen konnte. So schuf der Kongreß einen Präzedenzfall, in dem sich die Fed und ihr Vorsitzender an Stelle des Finanzministeriums zu verantworten hatte.

 

Obwohl das Finanzministerium und die Fed heutzutage engen Kontakt pflegen, gehen sie sehr vorsichtig mit dem Prinzip der Unabhängigkeit der Zentralbank um. In den Anfängen der Fed war die Bundesbank New York mächtiger als ihre Mutterorganisation in Washington. Weil sie im zweitgrößten Finanzzentrum der Welt lag, spielte sie eine größere Rolle als alle anderen Zentralbanken. Ihr erster Präsident, B. Strong, wurde der Sprecher der gesamten Fed. Die europäischen Zentralbänker dieser Zeit, besonders der Vorsitzende der Bank of England, Lord Montagu Norman, wußten, daß Strong der erfahrenste Mann in diesem System war. Während seiner Amtszeit begann Strong mit den ersten Offenmarktgeschäften, in denen U.S. Anleihen in Verbindung mit diskontierbaren Handelspapieren ge- und verkauft wurden. Er richtete regelmäßige Treffen der Zentralbankpräsidenten des BoG ein, welche den Kern des Federal Open Market Committee bildeten. Ein Organ, das auch heute noch die wichtigsten Entscheidungen der Fed trifft.

 

Der Einfluß Deutschlands und der Kriege auf die Zentralbanken

Deutschlands heutige politische Institutionen waren bis zum Ende des 2. Weltkrieges nicht existent. Die Ursprünge der Banken reichen jedoch zurück bis ins Jahr 1871, dem Beginn des deutschen Staates und später in die politischen und wirtschaftlichen Unruhen zwischen den beiden Weltkriegen. Als die Nation unter Bismarck vereinigt wurde, wurde auch gleichzeitig eine Zentralbank, die Reichsbank, eingerichtet.

Sie funktionierte bis zum Ende des 2. Weltkrieges, bis die Kontrolle über die Geldmenge aufgrund des inflationären Drucks durch den Krieg verloren ging.

 

Die Regierung der Weimarer Republik gründete mit Hilfe anderer europäischer Zentralbanken eine neue Reichsbank, aber die Forderungen an Deutschland waren nach dem Krieg zu streng. Die Alliierten forderten im Friedensvertrag von Versailles enorme Reparationszahlungen für die Schäden, die durch den Krieg entstanden waren.

Gezahlt wurde in Goldbarren, welche der Reichsbank jedoch nur in kleinen Mengen zur Verfügung standen. Obwohl es für Deutschland unmöglich war, den Zeitplan der Reparationszahlungen, der von den anderen europäischen Staaten auferlegt worden war, zu erfüllen, zahlte die Regierung soviel sie nur konnte. Das Geld für die Reparationszahlungen "entstand" durch die Neubewertung der Währung. Die geringen Mengen an Goldreserven machte die Reichsmark im Ausland völlig wertlos und im Inland war sie auch nicht viel wertvoller.

 

Die Reparationszahlungen stürzten Deutschland in die schlimmste Finanzkrise weltweit in diesem Jahrhundert. Die Preise in Deutschland stiegen in den Jahren 1922/23 auf ihren Höhepunkt. Zwischen Januar und Juli 1922 versiebenfachten sie sich. Zwischen August 1922 und Juli 1923 stiegen sie sogar um das 185-fache, bis hin zum 1,5-millionenfachen des Vorkriegsstandes. Die Deutschen konnten nur zuschauen, wie ihre gesamten privaten Ersparnisse im Nu wertlos wurden. Arbeiter wurden 2 mal täglich ausbezahlt, damit sie ihr Geld ausgeben konnten, bevor es wertlos wurde. Das Bild von Deutschen, die mit Schubkarren ihr Geld transportierten, um sich ein Brot zu kaufen, brannte sich in das Bewußtsein der Nation.

 

Nach der Krise der Hyperinflation fand der amerikanische Bankier Charles Dawes eine Lösung für Deutschlands Probleme. Eine neue deutsche Währung, die Rentenmark, wurde ausgegeben.

Der deutschen Bevölkerung wurde erklärt, daß der "Boden" des Reiches gegen neues Geld verpfändet wurde, weil Politiker befürchteten, daß die Öffentlichkeit das Vertrauen in die Fähigkeiten der Regierung, die Währung auf normalem Weg zu stützen, sonst verlieren würde. Eine Rentenmark entsprach einer Milliarde Reichsmark, sodaß es für fast jeden Deutschen einen Neuanfang bedeutete.

 

Der Dawes-Plan enthielt noch weitere Veränderungen. Die Reichsbank wurde, dem Beispiel der Federal Reserve Bank folgend, unabhängig von der Regierung. Besonders wichtig war das neue Kredit-System, welches Deutschland erlaubte, bei den Alliierten einen Kredit aufzunehmen, um bei ihnen widerum den Reparationszahlungen nachzukommen. Dies dämpfte zwar erheblich den wirtschaftlichen Effekt der Reparationszahlungen, aber Bankiers wie Norman und J.P. Morgan sahen darin die einzige Möglichkeit, das Land und die Währung stabil zu halten.

 

Der Dawes-Plan sicherte zwar das deutsche Währungssystem, jedoch war das globale System mit weitaus größeren Problemen behaftet. 1924 setzte die BoE den Goldpreis auf den Vorkriegsstand fest, ungeachtet der Behauptung von Keynes und anderen hochrangigen Ökonomen, daß das Pfund überbewertet sei. Sie bekräftigte ihr Versprechen, bei entsprechender Nachfrage jegliches Geld in Gold umzutauschen.

Viele Länder nutzten die Stabilität und die Umtauschgarantie der BoE und transferierten enorme Mengen an Gold. Die Bank bemerkte schnell, daß diese Mengen nicht mehr zu bewältigen waren.

Versuche von Norman und Strong, die Situation zu klären, waren wirkungslos, und ihre Anpassung an den U.S.-Diskontsatz galten als Ursache des Börsencrashs und dem Beginn der großen Depression.

 

Der einzige Lichtblick in dieser turbulenten Zeit war die Errichtung der BIS (Bank for International Settlements) im Jahre 1929 in Basel. Diese Institution wurde eingerichtet, um die Kooperation unter den Zentralbanken zu fördern und sie besteht heute noch.

Dieselbe Gruppe, die die BIS einrichtete, versuchte auch, das deutsche Schuldenproblem zu lösen. Angeführt durch Owen Young, einem früheren Vorsitzenden von General Motors, entwarf diese Gruppe eine Vereinbarung der europäischen Regierungen, die Reparationszahlungen auf die nächsten 59 Jahre zu verteilen.

 

In den 30er Jahren war Deutschland auf sich selbst angewiesen. Andere Länder waren mit ihren eigenen Krisen beschäftigt und konnten keine Hilfe leisten. Obwohl alles gut funktionierte, hatte die Bevölkerung wenig Vertrauen in den Dawes-Plan. Nach der Erfahrung der Hyperinflation, war es unwahrscheinlich, daß das Volk den Banken jemals wieder vertrauen würde. Der Ansturm auf die österreichische Bank übertrug sich schnell auf Deutschland. Die Deutschen waren gezwungen, ihre in London gehaltenen Pfund-Reserven in Gold umzutauschen und verloren dabei innerhalb weniger Tage ein Drittel ihres Guthabens. Daraufhin gab England zu, daß ihre Währung überbewertet war, und der Goldstandard wurde im September 1931 aufgegeben.

 

Die Bank of England nach 1946

In der Nachkriegszeit stellte sich heraus, daß viele europäische Zentralbanken einer Umstrukturierung bedurften. Das "Bretton-Woods-Abkommen" brachte die Welt zurück zum Goldstandard obgleich der Dollar als Weltwährung im Umlauf war.

 

Das englische Nachkriegsparlament, welches von der Labour Partei dominiert wurde, reformierte die BoE durch den Bank of England Act von 1946.

Die Bank wurde verstaatlicht. Das Parlament bekam die Gewalt über die Geldpolitik und alle wirtschaftlichen Angelegenheiten. Die Aktionäre wurden für die Verstaatlichung entschädigt. Die Verordnung gab dem Parlament sogar die Macht, alle 16 Bankdirektoren und den Gouverneur sowie dessen Stellvertreter zu bestimmen.

Die Bank war nie unabhängig vom Parlament, sondern sie wurde vielmehr zu einem Agenten der Regierung, als die Verordnung zum Gesetz wurde.

 

Ein weiteres Kennzeichen der Bank ist ihre stark zentralistische Struktur, die dem Aufbau der Regierung entspricht. Sie hat nur 8 Niederlassungen im ganzen Land, welche lediglich für die Abwicklung des Zahlungsverkehrs und die Distribution von Bargeld zuständig sind.

Alle wichtigen Entscheidungen werden in London getroffen.

 

Seit der Banking Act 1979 verabschiedet wurde, ist die Bank zunehmend eingebunden in die Lizenzvergabe und Regulierung der Geschäftsbanken.

Doch auch mit dieser Gesetzgebung ist die Bank bei der Beurteilung von Finanzinstituten weitgehend abhängig von der Rechnungsprüfung durch unabhängige Firmen.

Dieses Vorgehen wurde in Anbetracht der Zusammenbrüche der Bank of Credit and Commerce International (BCCI) und der Barings Bank sowie den Schwierigkeiten bei der Lloyd´s of London kritisiert. Daraufhin wurde angeregt, die Regelungsvollmacht für Finanzinstitute an das Finanzministerium zu übertragen.

 

 

Die Deutsche Bundesbank

Durch die immensen Zerstörungen im 2. Weltkrieg wurde den Alliierten bewußt, daß der Versailler Vertrag ein Fehler war. Sie bemühten sich, die Verliererstaaten nicht noch zusätzlich zu bestrafen. Statt dessen unterstützten sie die besiegten Länder darin, eine neue demokratische Ordnung zu schaffen.

In Westdeutschland war die Reichsmark praktisch wertlos. Deshalb wurde eine neu Währung, die Deutsche Mark, schon vor Beendigung der Besatzung durch England, Frankreich und die USA herausgegeben. Anführer dieser Währungsreform war Ludwig Erhard - Deutschlands erster Finanzminister. Unter seiner Leitung sollte eine stabile Währung geschaffen werden. Ein Zustand, den Deutschland seit dem 1. Weltkrieg nicht mehr kannte. Die Alliierten unterstützten dieses Ziel. Die Inflation um jeden Preis zu bekämpfen, wurde zur vornehmlichen Aufgabe des neuen Systems.

 

Da für Deutschland ein föderalistisches System vorgesehen war, wurden die Zentralbanken in ähnlicher Weise organisiert. Vorbild war dabei die Federal Reserve Bank der USA, allerdings mit einigen gravierenden "Verbesserungen". Die Alliierten gründeten eigenständige Banken deutscher Länder (BdL) in den Hauptstädten der 11 Bundesländer. Die Zentrale in Frankfurt a.M. bekam die Aufgabe, die Bankenpolitik zu koordinieren. Sie sollte allerdings nicht zuviel Macht bekommen.

 

Das Deutsche System wurde von den alliierten Mächten bis 1951 beobachtet. Die Kontrolle durch die Bankenkommission wurde dann an die Regierung der Bundesrepublik Deutschland übergeben, die durch das Grundgesetz 1949 gegründet worden war.

 

Eine von der Regierung unabhängige Zentralbank war von den Alliierten stets beabsichtigt.

Zwischen 1951 und 1957 gab es in Deutschland eine große Debatte über den Grad der staatlichen Kontrolle der Bank. Der Streit endete mit dem Beschluß des Bundesbankgesetzes von 1957. Dabei wurde der Name der Bank in Bundesbank geändert und die Landesbanken wurden zu untergeordneten Institutionen der Dachorganisation.

 

Die Struktur der Bundesbank ist vergleichbar mit der der Fed. So hat die Bundesbank auch eine zentrale Führung, das Direktorium in Frankfurt. Die Mitglieder des Direktoriums sind zugleich auch Mitglieder des Zentralbankrates. Die andere Hälfte der Mitglieder des Zentralbankrates sind die Präsidenten der Landeszentralbanken (LZB), die Nachfolger der Banken deutscher Länder.

 

Die komplette Autonomie der Zentralbank, die durch das Bundesbankgesetz gewährleistet wird, machte es der Bank einfacher, eine Politik zu verfolgen, die nicht unbedingt politisch populär ist. Man kann der Führung der Bundesbank ein großes Lob für ihre Arbeit aussprechen. Dennoch war es hauptsächlich die große Akzeptanz und Unterstützung in der Bevölkerung, die die Bundesbank so erfolgreich machte.

 

In den letzten 8 Jahren hat die Bank nichts an ihrem Einfluß eingebüßt, doch die politischen Notwendigkeiten der deutschen Wiedervereinigung sorgten für innere Spannungen. So wurden in den 5 neuen Bundesländern keine neuen Landeszentralbanken eingerichtet, sondern die Zuständigkeitsgebiete neu verteilt. Es gibt jetzt nur noch 9 Landeszentralbanken, von denen einige für mehr als ein Bundesland verantwortlich sind. Eine geringere Anzahl an Bankpräsidenten erleichtert die Beschlußfähigkeit innerhalb des Zentralbankrates.


Jedoch gab es auch Situationen, in denen die Ratschläge des Zentralbankrates nicht umgesetzt wurden. Bundeskanzler Helmut Kohl mißachtete bewußt die (nachträglich vernünftigen) Empfehlungen des Zentralbankrates, als er anbot, die wertlose Ostmark gegen die Deutsche Mark bis zu einer gewissen Summe einzutauschen. Die Bänker waren sich der inflationären Wirkung einer solchen Aktion bewußt, doch sie hatten nicht die Möglichkeit, sie zu verhindern.

Das zeigt, daß es Zeiten gibt, in denen ökonomischen Konsequenzen nicht so wichtig sind wie die politische und psychologische Akzeptanz.

 

 

 

Die Aufgaben der verschiedenen Zentralbanken heute

Obwohl die Organisation einer Institution sehr wichtig ist, ist ihre Effizienz nur durch eine klar definierte Zielsetzung gewährleistet. Bei den Zentralbanken ist die Frage der Zielsetzung ein Politikum. Von den drei bisher angesprochenen, war die Bundesbank am erfolgreichsten.

In jedem Land wurden von den Regierungen Ziele für Wirtschaftswachstum und Preisstabilität festgesetzt. In Großbritannien und USA waren diese Ziele jedoch häufig nicht genau definiert. Aufgrund des dauerhaften Erfolges der Bundesbank werden wir diese im folgenden zuerst betrachten.

 

 

Deutschland

Das Bundesbankgesetz von 1957 besagt, daß das alleinige Ziel aller Bankaktivitäten die Schaffung einer stabilen Währung ist. Die Bundesbank betrachtet dieses Prinzip als ihren verfassungsmäßigen Auftrag. In der Bevölkerung besteht ein starkes Vertrauen in die Entscheidungen der Bundesbank. Die Bürger haben gesehen, wie einflußreich die Deutsche Mark auf dem Weltmarkt geworden ist und erkannt, daß der Erfolg der DM (und Deutschlands) seit dem 2. Weltkrieg nicht zuletzt der Bundesbank zu verdanken ist.

 

Das Gesetz besagt, daß die Funktion der Bank die Regulierung der Umlaufmenge des Geldes und der Höhe der Kredite an die Wirtschaft ist. Dabei benutzt sie, mit dem Ziel, die Währung zu sichern und zu schützen, die Instrumente, die das Gesetz ihr gibt. Das Gesetz beschreibt die Ziele sehr klar - allerdings nicht, wie diese erreicht werden sollen. Die Entscheidungsgewalt darüber liegt in den Händen des Bankvorstands.

Durch die Erinnerung an die Hyperinflation der 20er Jahre ist Deutschland besonders auf die Vermeidung inflationärer Tendenzen bedacht.

 

Zwei weitere Gesetze regeln den Einfluß der Bank. Das Kreditgesetz von 1961 richtete eine neue Institution ein, um die Bankenwelt zu überwachen - die "Federal Credit Regulatory Agency (CRA)". Die Landeszentralbanken sind zwar immer noch für die Kontrolle ihrer Kredite verantwortlich, aber die CRA ist eine unabhängige Abteilung des Finanzministeriums, das die Bankenpolitik bestimmt.

Das zweite vom Bundestag verabschiedete Gesetz, welches die Aufgaben der Bundesbank bestimmt, ist das Stabilitäts- und Wachstumsgesetz von 1967. Es verpflichtet die Bank, eine Politik zu verfolgen, die Preisstabilität, Vollbeschäftigung und Außenhandelsgleichgewicht mit konstantem und angemessenem Wirtschaftswachstum in Einklang mit der Marktwirtschaft bringt. Bis zu diesem Punkt glaubten die Gesetzgeber und Ökonomen, daß es möglich war, diese Ziele gleichzeitig zu erreichen, wenn eine keynesianische Politik nur konsequent verfolgt würde. Deutschland, wie auch der Rest der Welt, lernte jedoch sehr schnell, daß das keynesianische Modell nicht der Realität entsprach. Das Gesetz hat auch heute noch seine Gültigkeit behalten, doch es wird nun mehr als eine Richtlinie angesehen denn als eine Vorgabe, die erfüllt werden muß.

 

Um die Währung zu sichern, gibt es verschiedene Wege. Dabei stehen die unterschiedlichen Möglichkeiten oft im Konflikt zueinander. Die Hauptfrage, lautet ob der Wert der Währung im Ausland beibehalten oder die Preise stabil gehalten werden sollen.

Dieser Konflikt existiert seit Ende des 2. Weltkrieges, doch er bekam zunehmend Bedeutung, als der Goldstandard 1973 abgeschafft wurde. Das größte Problem besteht in der "importierten Inflation", d.h. wenn andere Länder Beschränkungen in ihren monetären und fiskalpolitischen Handlungen nicht beachten, die wichtig wären, um die Inflation zu kontrollieren. In Deutschland sorgt diese Inflation, die zumeist aus Frankreich, Italien oder den USA kommt, für höhere Importpreise und einen Kapitalabfluß ins Ausland. Die Folge sind eine höhere Geldnachfrage und ein kontinuierlicher Zinsanstieg.

 

Eine Erhöhung der Geldmenge durch die Bundesbank führt zu einer Erhöhung der Preise. Die Bundesbank war bisher nicht bereit, für die Fehler anderer Länder einzustehen. Doch sie ist nicht stark genug, die Inflation alleine zu stoppen. Das hat einen starken Einfluß auf die Stabilität der Deutschen Mark. Die Intervention in fremde Währungsmärkte war früher eine Möglichkeit, um die Geldbewegungen zu steuern. Allerdings sind die Transaktionen so groß geworden, daß Interventionen durch eine Zentralbank (oder einer Gruppe von Zentralbanken) mittlerweile kaum oder gar keinen Effekt zeigen.

 

Weniger die Interventionen sondern die Entscheidungen der Bundesbank senden wichtige Signale aus. Als das Europäische Währungssystem in 1979 gegründet wurde und die möglichen Wechselkursschwankungen der meisten europäischen Währungen eng begrenzt wurden, begannen die anderen europäischen Zentralbanken sich mit ihrer Politik an die Bundesbank anzupassen. Da die DM so stark ist, stiegen und fielen die Währungen der anderen Länder je nach dem wie groß der Unterschied bei den Inflationsraten und Zinsen dieser Länder und Deutschland waren.

In den sich entwickelnden osteuropäischen Ländern wird die Deutsche Mark als eine Zweitwährung benutzt und die offiziellen Währungen der Tschechischen Republik, Slowakei und Ungarn sind stark an die DM gebunden.

Der Bundesbank wird oft vorgeworfen, sie würde die Bedürfnisse Europas bei ihren Entscheidungen nicht berücksichtigen, aber die Satzung der Bank besagt, daß sie sich darauf konzentrieren soll, was am besten für die Bundesrepublik ist. Am deutlichsten wurde dies, als England und Italien 1992 gezwungen waren, das Pfund und die Lira aus dem europäischen Wechselkurssystem zu lösen und neu zu bewerten.

Die Methoden der Bundesbank bei der Steuerung der Geldmenge unterscheiden sich nicht wesentlich von denen der anderen Zentralbanken, sie werden aber effektiver umgesetzt.

 

 

Großbritannien

Großbritanniens geldpolitische Ziele wechselten mit den allgemeinen politischen Strömungen .

Da die Regierung für die Politik verantwortlich ist, funktioniert die BoE eher wie ein Kabinettsressort als wie eine von der Regierung getrennte Institution, wie die Banken der USA und Deutschland.

Der Auftrag der Bank ist außerdem stärker fokussiert. Die Zahl ihrer Mitarbeiter ist ein Viertel so groß wie die der Bundesbank (die in jeder bedeutenden Stadt eine Niederlassung hat) und erlaubt den Märkten weitestgehende Selbstregulierung. Dies führte zu vielen Problemen. Dennoch weht der Geist des Adam Smith und seines "laissez-faire" immer noch durch die Hallen der "old lady of Threadneedle Street".

 

In der Vergangenheit gab es einige Versuche, die Bank unabhängig zu machen, aber bislang wurden kein entsprechenden Reformen umgesetzt.

Eine kleine Veränderung führte man 1971 durch, als das Land seine Währung auf das Dezimalsystem umstellte. Damals stimmte die Bank der Veröffentlichung jährlicher Finanzkennzahlen zu, die die Löhne aller Angestellten beinhaltete sowie alle Einnahmen und Ausgaben. Mit dieser Maßnahme schloß sie sich den anderen bedeutenden Zentralbanken weltweit an, die Jahresberichte über den Zustand der Institute veröffentlichen.

Bis eine Nicht-Tory Regierung an die Macht kam, schien es unwahrscheinlich, daß die Bank von der Regierungsaufsicht losgelöst wird. Dies war angesichts der Unterstützung bei der Einrichtung einer unabhängigen Europäischen Zentralbank ziemlich absurd.

 

Was die Durchführung der Geldpolitik angeht, bedient sich die Bank einiger Methoden, die sich von denen anderer Zentralbanken unterscheiden.

So z.B. gibt es keine Mindestreserve für die Geschäftsbanken. Sie sind lediglich verpflichtet, 0,35% ihrer Verbindlichkeiten anzulegen, um Einkünfte für das operative Geschäft zu erwirtschaften.

Statt dessen beruft sich die BoE auf die Ausgeglichenheit der Bilanzen, die die Geschäftsbanken aufrechterhalten müssen, um den laufenden Zahlungsverkehr abzudecken. Der Bilanzsaldo soll also positiv bleiben. Dies wird jedoch nicht sehr genau kontrolliert. Kann eine Geschäftsbank keine positive Bilanz halten, dient die Zentralbank als letzter Geldgeber.

 

Obwohl die Banken eine Direktion haben, deren Mitglieder alle vom Parlament ernannt werden, hat diese kein Befugnis, wirklich politische Entscheidungen zu treffen.

Sie ist lediglich berechtigt, den Finanzminister zu beraten, der selbst das letzte Wort z.B. darüber hatte, wann und in welchem Maß die Zinshöhe variiert wird. Diese Konstellation hat seit dem 2. Weltkrieg nur unbefriedigend funktioniert.

Die Regierungen waren nur soweit erfolgreich, als daß sie eine mittlere Preisstabilität halten konnten.

Nach den letzten Entwicklungen zeichnet sich jedoch bereits eine zunehmende Unabhängigkeit der BoE ab. So wird die Höhe der kurzfristigen Zinsen nun von einem neunköpfigen BoE-Komitee für Geldpolitik festgesetzt. Den unabhängigen Banken erging es weitaus besser, da der politische Druck fehlte.

 

Die Vereinigten Staaten von Amerika

Das Federal Reserve System war nicht so stark auf ein konkretes Ziel hin fokusiert. Drei Gesetze regeln die Aktivitäten der Fed: der Federal Reserve Akt von 1935 und das Gesetz der Vollbeschäftigung und Wachstum von 1978 ("Humphrey-Hawkins Akt"). Diese drei Gesetze regeln die Ziele, die die Fed erreichen soll, doch unter bestimmten ökonomischen Bedingungen sind diese Ziele gegenläufgig. In den Anfangsjahren konzentrierte sich die Fed mehr darauf andere Banken zu überwachen, da es jeder Bank erlaubt war, ihre eigenen Zinssätze festzusetzen. Offenmarktgeschäfte wurden zwar schon früh in New York eingeführt, doch es wurde nicht viel Gebrauch von ihnen gemacht.

 

Schlußfolgerung

Die gewaltigen Veränderungen, die sich in den letzten Jahren in politischen und wirtschaftlichen Organisationen der Welt ereignet haben, zwangen die Zentralbanken, sich ebenfalls zu verändern.

Die Nationen Europas bereiten die Einrichtung einer europäischen Zentralbank vor.

Sie wird ihren Sitz in Frankfurt haben - neben der Bundesbank, deren Struktur und Handlungsweise sie auch weitgehend übernehmen wird.

Echte Reformen im zentralen Bankwesen haben bei den großen Banken noch nicht stattgefunden, wohl aber in Ländern wie Neuseeland und Chile, in denen die Regierungen unabhängige Zentralbanken eingerichtet und Währungsreformen durchgeführt haben.

 

Neue Gesetze und Reformen sind die eine wichtige Sache. Die andere - wichtigste - Qualität einer Zentralbank beschreibt Marsh jedoch folgendermaßen:

"Keine Zentralbank wie unabhängig sie auch immer sein mag, bewegt sich in einem Umfeld, das völlig frei ist von politischen Verwicklungen. Die entscheidende Bedingung für eine erfolgreiche Geldpolitik liegt also letztlich darin, daß diese von der Bevölkerung verstanden und unterstützt wird."

Dies trifft auf die betrachteten Banken weitgehend zu.

Wie staatliche Einrichtungen, denen sie häufig nacheifern, haben sich die Zentralbanken über lange Zeiträume hinweg entwickelt und sind von der nationalen politischen Kultur stets stark beeinflußt.

Sie mögen sich in ihrer Ausrichtung und Struktur unterscheiden, aber das höchste Ziel bleibt doch für alle das Gleiche - die Erhaltung einer stabilen Wirtschaft, die Wachstum und Fortschritt begünstigt.

 

Übersicht der europäisschen Zentralbanken

 

 

Land

Zentralbank

Bankenaufsicht

Einlagensicherungs-system

Belgien

Banque Nationale de Belgique

Commission Bancaire (rechl. Selbständige Bankenkommission)

Ja

Dänemark

Danmarks Nationalbank

Aufsichtsamt für das Finanzwesen für Handesbanken und Sparkassen, Industrieministerium für Realkreditinstitute

Ja

Finnland

Suomen Pankki (Finnlands Bank)

Finanzkontrollbehörde i.V.m. Zentralbank

Ja

Griechenland

Bank von Griechenland

Zentralbank

noch nicht

Großbritannien

Bank of England

Zentralbank

Ja

Irland

Central Bank of Ireland

Zentralbank

Ja

Italien

Banca d’Italia

Zentralbank

Ja

Luxemburg

(Währungsunion mit Belgien) keine Zentralbank, Wahrnehmung der Aufgaben durch IML Bank des Staates und Clearingstelle für Kreditinstitute ist die staatliche Sparkasse

Institut Monetäre Luxembougeois (IML)

Ja

Niederlande

De Nederlandsche Bank N.V.

Zentralbank

Ja

Österreich

Österreichische Nationalbank AG

Bundesministerium für Finanzen i.V.m. OeNB

Ja

Portugal

Banco de Portugal

Zentralbank

noch nicht

Schweden

Sveriges Riskbank

Finanzkontrollbehörde

noch nicht

Spanien

Banco des España

Zentralbank und Wirtschafts- und Finanzministerium

Ja