Die demographische Herausforderung ist nur ein Faktor der gesellschaftlichen
Entwicklung "Altern". Sie wirkt allerdings als Katalysator für viele andere
Faktoren. Alterspolitik kann also nur eine begrenzt wirkende Antwort auf die
demographische Herausforderung sein. Sie bündelt vielmehr Strategien zur
Bewältigung eines viele Politikfelder übergreifenden gesellschaftlichen Prozesses.
In der Alterspolitik sollte der alte Mensch und die Lebenswelt dieser Menschen
im Mittelpunkt stehen. Man kann die gesellschaftlichen Probleme des Alter(n)s
nicht nur auf die wachsende Zahl von alten und sehr alten Menschen bei sinkenden
Geburtenraten reduzieren, auch wenn vielfach allein die Kostenfrage die politische
Dimension des Problems bestimmt. Der individuelle Lebensverlauf
beeinflußt nachhaltig die materielle und gesundheitliche Situation im Alter.
Immer dringender stellt sich die Frage des Handlungspotentials der Alten in der
Gesellschaft, die Frage nach ihrer Lebenssituation, ihren Bedürfnissen und
Aktivitäten. Das Bild, das sich die Gesellschaft von ihren Alten macht, ist in der
Regel durch Klischees und Stereotypen verstellt, die gesellschaftliche Haltungen und
politisches Handeln prägen. Dies geht zu Lasten einer differenzierten Politik für
alte Menschen. Dazu tritt ein gravierender Mangel an konkreten
Entscheidungsgrundlagen für Alterspolitik: In nahezu allen Ländern fehlen vollständige und aussagekräftige
Datenerhebungen zur Lebenssituation und solide Umfragen zu Lebenswelt und
Bedürfnissen der Alten. Ein wesentliches Defizit der gegenwärtigen Alterspolitik
sind also falsche Vorstellungen und unsichere Entscheidungsgrundlagen.
Zudem werden mit manchen politischen Maßnahmen zugusten von Senioren auch
(oder vorwiegend) andere Zwecke verfolgt, meist im Zusammenhang mit finanziellen
Problemen des Staats
oder der Kommunen (z.B. im Zusammenhang mit der deutschen Pflegeversicherung).