Fachbereich Wirtschaftswissenschaften


Die Professur Öffentliche Finanzen bestand vom 1.1.1980 bis 31.3.2005. Inhaber der Professur war Prof. Dr. Paul Bernd Spahn. Ein Nachfolger wurde nicht bestellt. Bei Fragen bezüglich dieser Professur wenden Sie sich bitte an das Dekanat des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften.


Geschichte der Professur

Die Professur "Öffentliche Finanzen" wurde Ende der siebziger Jahre im Rahmen des Aufbaus eines zweiten Fachbereichs mit ökonomischer Ausrichtung geschaffen - des Fachbereichs 21 (Ökonomie) der Johann Wolfgang Goethe-Universität. Dieser Fachbereich sollte stärker empirisch ausgerichtet sein und zusammen mit dem damals ebenfalls errichteten Fachbereich 20 (Informatik) die Keimzelle einer später zu gründenden zweiten Frankfurter Universität werden. Zu der geplanten Entwicklung kam es jedoch aus verschiedenen - hauptsächlich finanziellen - Gründen nicht, und so wurde der Fachbereich Ökonomie im Jahre 1983 mit dem traditionellen Fachbereich 2 (Wirtschaftswissenschaften) der Frankfurter Universität fusioniert, wobei die Professur "Öffentliche Finanzen" in das Institut für Öffentliche Wirtschaft, Geld und Währung eingegliedert wurde.

Professor Paul Bernd Spahn hatte im Jahre 1979 auf diese Professur einen Ruf an die Universität Frankfurt erhalten und war vom 1. 1. 1980 bis zu seiner Pensionierung am 31. März 2005 mit der Wahrnehmung ihrer Aufgaben betraut. Als letzter Dekan des Fachbereichs Ökonomie war er auch maßgeblich an der Fusion der beiden Fachbereiche beteiligt.

In der Zeit seiner Tätigkeit am Fachbereich Ökonomie war Professor Spahn in der Lehre - z. T. bedingt durch die kapazitativen Beschränkungen - in fast allen Sparten des volkswirtschaftlichen Lehrangebots tätig. So hat er Veranstaltungen des Grundstudiums wie "Einführung in die Volkwirtschaftslehre", "Volkswirtschaftliches Rechnungswesen", "VWL I (Mikrotheorie)", "Grundlagen der DV II", "Theorie der Wirtschaftspolitik" sowie später im Fachbereich Wirtschaftswissenschaften - volkswirtschaftliche Veranstaltungen im Hauptstudium abgehalten.

Neben Vorlesungen, Proseminaren und Seminaren in "Volkswirtschaftslehre" traten ebensolche Veranstaltungen in "Spezieller Volkswirtschaftslehre" mit dem Schwerpunkt Geld, Währung, Außenwirtschaft sowie in "Finanzwissenschaft", dem Fach, dem die eigentliche Widmung der Professur gilt. An der Professur "Öffentliche Finanzen" wurden im Laufe der Jahre ca. 200 Diplomarbeiten betreut. Auch hat Professor Spahn an zahlreichen Promotionsverfahren mitgewirkt - sei es als Erst- oder Zweitgutachter.

Von Oktober 1993 bis September 1995 war Professor Spahn beurlaubt, um als Wissenschaftlicher Berater des Internationalen Währungsfonds in Washington D.C. zu fungieren. Während dieser Zeit wurde die Professur von Privatdozent (jetzt Universitätsprofessor and der TU Darmstadt) Dr. Volker Caspari vertreten.

In der Forschung war die Arbeit der Professur in einer ersten Phase ihrer Existenz auf Themen bezogen, die dem Bereich der Mikrofundierung der Makrotheorie zuzurechnen sind. Es wurde versucht, die in diesem Bereich damals vorfindlichen theoretischen Ansätze der Ungleichgewichtstheorie für empirisch- ökonometrische Fragestellungen nutzbar zu machen, wobei die Geld- und Währungspolitik die konkreten Anwendungsbereiche darstellten. Typisch für die Forschungsarbeiten dieser Jahre sind die Dissertationen der beiden Mitarbeiterinnen der Professur, Frau Carola Hunger-Siegler, die eine Monographie mit dem Titel "Crowding-out in einem Modell der Mengenrationierung" vorgelegt hat (1985), sowie die Arbeit von Frau Andrea Gubitz, mit dem Titel "Geldmärkte und Europäisches Währungssystem: Ein ökonometrisches Gleichgewicht für die Bundesrepublik Deutschland und Frankreich" (1985). Die letztgenannte Dissertation wurde mit dem Heinz-Maier-Leipnitz-Preis des Bundesforschungsministers ausgezeichnet.

Die zweite Phase der Forschungsarbeit der Professur war durch ein Projekt im Rahmen des Sonderforschungsbereichs 3 (Mikroanalytische Grundlagen der Gesellschaftspolitik) der Deutschen Forschungsgemeinschaft mit dem Titel "Auswirkungen des Steuer- und Transfersystems auf allokative und distributive Prozesse" gekennzeichnet. Diese Arbeit profitierte in hohem Maße von der Forschungs- kooperation mit einer Vielzahl prominenter Wissenschaftler der Bundesrepublik Deutschland und Westberlins sowie von internationalen Kontakten des Sonderforschungsbereichs und der Professur, wobei es die DFG auch ermöglichte, eine Reihe international renommierter Wissenschaftler als Gastprofessoren an die Professur einzuladen, so Professor A. B. Atkinson von der London School of Economics, Professor Laurence Kotlikoff von der University of Boston und Professor Sijbren Cnossen von der Erasmus-Universiteit, Rotterdam. Aus diesem Forschungsprojekt im Rahmen des Sonderforschungsbereichs sind eine Reihe von Dissertationen und andere Publikationen hervorgegangen (siehe Forschung).

Nach Beendigung der Arbeit im Rahmen des Sonderforschungsbereichs 3 läßt sich eine dritte Phase der Forschungsarbeiten unterscheiden. Sie wird durch verschiedene Arbeiten im Zusammenhang mit Fragen zur EG-Integration (Wirtschafts- und Währungsunion) und der Theorie des Fiskalföderalismus, sowie weiterhin mit Themen aus dem Bereich der Finanzwissenschaft sowie der Geld- und Währungspolitik charakterisiert (siehe Forschung). Während dieser dritten und letzten Phase der Forschungsarbeiten ist Professor Spahn verstärkt als Berater internationaler und nationaler Institutionen in Erscheinung getreten.

In der akademischen Selbstverwaltung waren in den zurückliegenden Jahren fast alle Mitglieder der Professur in hohem Maße engagiert. Das gilt in besonderem Maße für die Zeit des Fachbereichs Ökonomie, dessen Aufbauarbeit nur auf eine begrenzte Personalkapazität zurückgreifen konnte, sowie die Phase der Fusionierung der beiden Fachbereiche, die mit der Verabschiedung eines Entwurfs für eine gemeinsame Prüfungsordnung einherging. Der Inhaber der Professur war neben seiner Tätigkeit als Dekan des Fachbereichs Ökonomie (1980-82) auch Mitglied des Fachbereichsrates (1980-1985), Mitglied des Lehr- und Studienausschusses des Fachbereichs (1982-90), stellv. Direktor des Instituts für Öffentliche Wirtschaft, Geld und Währung (1983-1992) sowie stellv. Mitglied im EDV-Ausschuß (1984-90), stellv. Mitglied einer Frauenkommission (1988-90) und Mitglied verschiedener Berufungskommissionen. Von 1992 bis 1996 war Professor Spahn Geschäftsführender Direktor des Instituts für Öffentliche Wirtschaft, Geld und Währung am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften. Von Oktober 1998 bis September 1999 und Oktober 2003 bis September 2004 war Professor Spahn Dekan des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften. Beide Phasen waren durch erhebliche Umstrukturierungen (Erster und Zweiter Strukturplan; Akkreditierung bei der AACSB) gekennzeichnet.

Auf Universitätsebene war Professor Spahn Mitglied des Zentralen Haushaltsausschusses der Universität (1982-1985), Mitglied im Konvent (1983-1987) und Vizepräsident sowie Vorsitzender des Senats der Johann Wolfgang Goethe-Universität (1985-1986). Von 2005 bis 2008 war Professor Spahn Geschäftsführender Direktor des House of Finance der Goethe-Universität.

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Kurzbiografie

Paul Bernd Spahn ist seit 2005 Emeritus der Goethe-Universität Frankfurt. Zuletzt war er Geschäftsführender Direktor des House of Finance dieser Universität (2006-08).

Professor Spahn promovierte in Volkswirtschaftslehre an der Freien Universität Berlin. Vor seiner Berufung an die Goethe-Universität war er beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, an der Harvard University in Cambridge, bei der Australian National University (ANU) in Canberra und bei der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Paris beschäftigt. Er war Gastprofessor in Canberra (Australian National University), Lyon (Université Lumière), London (London School of Economics), Valdivia (Universidad Austral de Chile), Perth (University of Western Australia), Mexico City (Instituto Autónomo de México) und Christchurch (University of Canterbury).

Professor Spahn war oder ist Berater einer Reihe von Forschungseinrichtungen in Europa und darüber hinaus und er hat mit internationalen Organisationen wie dem Internationalen Währungsfonds, der Weltbank, den Vereinten Nationen, der Wirtschaftlichen Kommission für Lateinamerika und die Karibik, der Europäische Kommission, dem Europäische Parlament und dem Europarat zusammen gearbeitet. Er hat umfangreich in Büchern, wissenschaftlichen Journals und politikorientierten Zeitschriften publiziert, eine ausgedehnte Vortragstätigkeit entwickelt und weltweit mehr als 70 Regierungen und Parlamente beraten.

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Kontakt

Prof. Dr. Paul Bernd Spahn
Ohlystraße 74, D-64285 Darmstadt
Tel.: +49 6151 422401
Fax: +49 6151 423258
Email: pbspahn@mac.com

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