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Rückstellungsbewertung im Spannungsverhältnis von Management-Approach und Fair Value Approach

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Volume: 3
Number: 11
Pages: 322 - 329
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Year: 2007
Abstract: Die vom IASB angestrebte zeitwertstatische Bilanzierungsweise ist konkretisierungsbedürftig. Bei der Rückstellungsbilanzierung lässt sie sich sowohl durch eine Orientierung am Management-Approach als auch durch eine Ausrichtung am Fair-Value-Approach erreichen. Der Management-Approach wird durch den unternehmensindividuellen Eigenerfüllungsbetrag präzisiert. Mit ihm antizipiert der Bilanzierende die zukünftigen Ausgaben, die im Unternehmen voraussichtlich zur Erfüllung der Verpflichtung anfallen. Der Entpflichtungsbetrag erfüllt – auf den ersten Blick – die Anforderungen an eine objektivierte Rechnungslegung. Er ist Ausfluss des Fair-Value-Approachs und ermittelt die Höhe der Rückstellung, indem er danach fragt, welche Vergütung Marktteilnehmer im Allgemeinen für die Übernahme der Erfüllungsverpflichtung verlangen würden. Der typisierenden Marktorientierung sind jedoch enge Grenzen gesetzt. „Die Frage nach dem Bestehen oder Nichtbestehen einer Verbindlichkeit ist in der komplizierten Welt der Ökonomie häufig nicht zu beantworten.” Noch schwieriger wird die Sache, wenn es darum geht, diese vagen Verbindlichkeiten zu bewerten. Hier tritt nicht selten die Ratlosigkeit des Bilanzierenden neben die Unsicherheit der Verbindlichkeit. Es droht dann die ausgeprägte Gefahr, dass der Bilanzierende auf der Passivseite der Bilanz keine wirtschaftlichen Lasten passiviert, sondern lediglich sein „Erwartungsgefühl” zum Ausdruck bringt. Soll die Passivierung der ungewissen Verbindlichkeiten nicht zu einem Schaulaufen der Emotionen und zum bilanziellen Ausdruckstanz verkommen, so benötigt der Bilanzierende klare Handlungsanweisungen für die Rückstellungsbilanzierung. Die Entwicklung tragfähiger Leitlinien fordert jeden und überfordert so manchen (inter-)nationalen Standardsetter. Auch das IASB hat sich der Aufgabe mehrfach gestellt und gibt dem Bilanzierenden mit dem aktuellen IAS 37 und dem ED IAS 37 Hilfestellungen, wobei derzeit noch offen ist, ob der vorliegende Standardentwurf aufgrund der großen Widerstände, die ihm von der Fachwelt entgegengebracht werden, tatsächlich in naher Zukunft den bestehenden Standard ablösen wird.
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