Prof. Dr. Gerd Fleischmann, Institut für Markt und Plan,
Johann Wolfgang Goethe - Universität Frankfurt am Main:
Einige
Hinweise zum Erstellen wissenschaftlicher Arbeiten (Referate,
Diplomarbeiten, ...)
- Es ist grundsätzlich hilfreich, sich zunächst darüber
klar zu werden, was das Problem ist, das man bearbeitet. (Hinweis: damit
ist nicht gemeint, daß das Problem eines Referates ist, daß
man sich etwas zu einem merkwürdigen Thema, das sich irgend jemand
anderes ausgedacht hat, aus den Fingern saugen muß.) Probleme können
als logische Widersprüche oder auch als praktische Konflikte
auftreten. Logische Widersprüche können zwischen Theorien
(oder Hypothesen) bestehen. Die Lösung des Problems kann dann darin
gesucht werden zu klären, welche der Theorien besser mit der
Wirklichkeit übereinstimmen. Praktische Konflikte können
zwischen Zielen oder zwischen Interessen bestehen. Die Lösung kann
dann darin gesucht werden zu zeigen, wodurch die Konflikte zustande
kommen, wie sie reduziert oder sogar aufgehoben werden können.
Probleme
beziehen sich also immer auf etwas Unerwartetes oder Störendes,
sonst wäre es der Mühe nicht wert, sich damit zu befassen.
Nicht das Thema ist wichtig, sondern das damit zusammenhängende
Problem, das es zu ermitteln gilt, das nicht immer gleich auf der Hand
liegt und das sich im Laufe der Beschäftigung mit einem Thema auch
mehrfach anders darstellen kann. Und wenn Sie ein Problem dingfest
gemacht und vielleicht gar gelöst haben, werden Sie entdecken, daß
sich aus der Lösung neue unerwartete oder störende Zusammenhänge
ergeben. So bleibt die Behandlung Ihres Themas spannend.
- Zu dem Problem, das man bearbeitet, läßt sich ab und an
(eigentlich muß man nur lange genug darüber nachdenken (aber
nicht immer ist Zeit dazu)) eine zentrale Hypothese formulieren (wie z.B.
(Achtung: Selbstbezüglichkeit!): "Notwendige Voraussetzung für
die Erstellung einer guten wissenschaftlichen Arbeit ist, daß man
sich über das bearbeitete Problem im klaren ist."), die auch in Form
einer zentralen Fragestellung (wie z.B.: "Muß man sich
notwendigerweise über das bearbeitete Problem im klaren sein, um eine
gute wissenschaftliche Arbeit erstellen zu können?") auftreten
kann.
- Gelingt es im folgenden noch, sich auf Ausführungen zu der
Problemstellung zu beschränken und in der Schlußbetrachtung
entweder eine neue weiterführende Problemstellung oder den Versuch
einer Antwort zu leisten, dann hat man ausgezeichnete Voraussetzungen
dafür, eine gute Arbeit zu erstellen.
- Sie werden sicherlich im Laufe Ihres Studiums und eventueller
weiterer wissenschaftlicher Tätigkeit feststellen, daß Sie
hin und wieder Fehler machen, einen unlogischen Gedankengang für
richtig halten und so weiter. Dies passiert anderen Leuten auch. Leider
auch Autoren von wissenschaftlichen Aufsätzen, Lehrbüchern und
anderen Quellen, die sie für Ihre Arbeit heranziehen. Sie werden
also nicht umhin kommen, auch die Aussagen von allgemein anerkannten
Fachleuten selbst gedanklich nachzuvollziehen und einer kritischen Prüfung
zu unterziehen. Wir möchten Sie warnen: Auch in Quellen, die wir
Ihnen als Einstiegsliteratur angeben, steht hin und wieder schlicht und
einfach Falsches. Zum wissenschaftlichen Arbeiten gehört auch,
nicht jeden Mist aus allgemein anerkannten Standardwerken (übrigens:
"Standard" schreibt man hinten mit "d") abzuschreiben.
Zuletzt aktualisiert: 29. Januar 1998 (1998-01-29)
Erstellt von Rainer H.
Rauschenberg
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