Vorlesung 1
Alterspolitik
Seite 11 von 17
1.2.2. Alterspolitik

Die demographische Herausforderung ist nur ein Faktor der gesellschaftlichen Entwicklung "Altern". Sie wirkt allerdings als Katalysator für viele andere Faktoren. Alterspolitik kann also nur eine begrenzt wirkende Antwort auf die demographische Herausforderung sein. Sie bündelt vielmehr Strategien zur Bewältigung eines viele Politikfelder übergreifenden gesellschaftlichen Prozesses.

In der Alterspolitik sollte der alte Mensch und die Lebenswelt dieser Menschen im Mittelpunkt stehen. Man kann die gesellschaftlichen Probleme des Alter(n)s nicht nur auf die wachsende Zahl von alten und sehr alten Menschen bei sinkenden Geburtenraten reduzieren, auch wenn vielfach allein die Kostenfrage die politische Dimension des Problems bestimmt. Der individuelle Lebensverlauf beeinflußt nachhaltig die materielle und gesundheitliche Situation im Alter.

Immer dringender stellt sich die Frage des Handlungspotentials der Alten in der Gesellschaft, die Frage nach ihrer Lebenssituation, ihren Bedürfnissen und Aktivitäten. Das Bild, das sich die Gesellschaft von ihren Alten macht, ist in der Regel durch Klischees und Stereotypen verstellt, die gesellschaftliche Haltungen und politisches Handeln prägen. Dies geht zu Lasten einer differenzierten Politik für alte Menschen. Dazu tritt ein gravierender Mangel an konkreten Entscheidungsgrundlagen für Alterspolitik: In nahezu allen Ländern fehlen vollständige und aussagekräftige Datenerhebungen zur Lebenssituation und solide Umfragen zu Lebenswelt und Bedürfnissen der Alten. Ein wesentliches Defizit der gegenwärtigen Alterspolitik sind also falsche Vorstellungen und unsichere Entscheidungsgrundlagen. Zudem werden mit manchen politischen Maßnahmen zugusten von Senioren auch (oder vorwiegend) andere Zwecke verfolgt, meist im Zusammenhang mit finanziellen Problemen des Staats oder der Kommunen (z.B. im Zusammenhang mit der deutschen Pflegeversicherung).

Vorlesung 1 Seite 1 zurück 11 / 17weiter Seitenanfang