Nachruf für Prof. Dr. Richard Hauser

von Professor (em.) Dr. Dr. h.c. Roland Eisen

Richard Hauser ist tot! Er starb am 4. April 2026. Mit ihm verliert die Sozialpolitiklehre und Sozialpolitikforschung einen ihrer führenden Köpfe.

Ich kenne Richard seit unserer gemeinsamen Zeit an der LMU München. Er war dort Assistent bei Hans Möller, bei dem er auch promovierte mit einer sehr guten Dissertation zum Thema „Vermögensumverteilung bei schleichender Inflation. Eine mikroökonomische Analyse“. Dieses Thema hat ihn zeit seines Lebens beschäftigt; aber nicht nur das.

Nach einem Aufenthalt in den USA, wurde er nach Berlin, an die Technische Universität berufen, von dort ging er 1977 an die Johann Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt, wo er den Lehrstuhl  für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Sozial- und Verteilungspolitik am Institut für Konjunktur, Wachstum und Verteilung annahm. Er wirkte intensiv an dem DFG-Projekt „Sozialpolitisches Entscheidungs- und Indikatorensystem“ (SPES) mit, das dann in den SFB 3 „Mikroanalytische Grundlagen der Gesellschaftspolitik“ mündete. Dort habe ich ihn dann wiedergetroffen, als ich die Nachfolge von Helmut Meinhold antrat. Am SFB 3 war er maßgeblich beteiligt, dass dort auch die Grundlagen für das SOEP gelegt und ausgebaut wurden, das dann mit Hans-Jürgen Krupp und Gert Wagner ans DIW kam. Über das SOEP wurden auch die LIS (Luxembourg Income Studies) gegründet, wodurch auch ein sehr intensiver Austausch mit dem Institute for Research on Poverty an der University of Wisconsin-Maddison entstand.

Richard Hauser tanzte auf vielen Hochzeiten, was sehr positiv zu verstehen ist, denn er war ein sehr guter Tänzer, und er war ein sehr guter Skatspieler, was durch seine regelmäßigen Skatrunden mit H.-J. Krupp, Franz Steinkühler und Wolfgang Glatzer nur unterstrichen wird.

Neben der Einkommens- und Vermögensverteilung befasste Richard Hauser sich mit Armutsproblemen, er war an verschiedenen Armuts- und Reichtumsberichten beteiligt. Auf ihn geht auch das 30-30-Modell zur Bekämpfung der Altersarmut zurück. So trugen seine Forschungen wesentlich dazu bei, dass das Thema verdeckter Armut und der „Dunkelziffer der Armut“ sichtbar blieben! Und er untersuchte auch die verschiedenen Systeme der sozialen Sicherung; nennen muss ich hier das ASEG-Projekt („Alterssicherung in der EG“, finanziert von der VW-Stiftung), aus dem zahlreiche Dissertationen hervorgingen. Viele seiner von ihm geprägten Doktorand*innen und Habilitand*innen tragen seine Ideen in Ministerien, Institutionen und Universitäten weiter.
Er leitete über zwei Jahrzehnte mit großem Engagement die Joseph-Popper-Nährpflicht-Stiftung „Garantiertes Mindesteinkommen“, durch die er eine respektable Bibliothek zu diesem Thema aufbaute und jährliche Preisverleihungen (Magister-, Diplom- und Doktorarbeiten wurden ausgezeichnet) mit herausragenden Gastreferenten (u. a. Anthony Atkinson, Ehrendoktor der Goethe Universität) organisierte.

Er erhielt verschiedene Auszeichnungen, so war er post-doctoral fellow an der Yale University, erhielt zwischen 1972 und 1973 ein Habilitationsstipendium der DFG, war im akademischen Jahr 198/89 Fellow am Hanse-Wissenschaftskolleg in Delmenhorst, 2001 – 2002 Fellow des Wissenschaftskollegs zu Berlin. 2001 erhielt er den Wissenschaftlichen Literaturpreis für Sozialpolitik der Preller-Stiftung und 2008 den Büchel Preis des SOEP.

Der Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Goethe-Universität verliert einen engagierten Wissenschaftler und geschätzten Kollegen, seine Freund*innen und seine Familie einen lieben Menschen.

Weitere Nachrufe von:
Timothy M. Smeeding, Lee Rainwater Distinguished Professor of Public Affairs and Economics, Hilldale Professor Emeritus
Richard Valentine Burkhauser, Professor Emeritus of Policy Analysis at Cornell University